„Vom Wachsen der Flügel“ – Ehemaliger AGV-Geschäftsführer veröffentlicht Buch über seinen gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR

„Vom Wachsen der Flügel“ – Ehemaliger AGV-Geschäftsführer veröffentlicht Buch über seinen gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR
Buchautor Manfred Casper (l.) mit EVENTUS-Geschäftsführer Marcus Weber-Wellegehausen.

Mit gerade einmal 18 Jahren entschied sich Manfred Casper seine Heimat, die DDR, zu verlassen. Über Bulgarien wollte er nach Jugoslawien, dann in die Freiheit. In den Westen. Doch sein wagemutiger Versuch scheiterte. An der Grenze wurde er festgenommen. Was er erlebte und wie er später zum Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Braunschweig wurde, hat er in einer 400-seitigen autobiographischen Erzählung festgehalten. „Vom Wachsen der Flügel“ ist kürzlich im JHM Verlag erschienen.

Geboren in Stollberg im Erzgebirge wuchs Manfred Casper als Freigeist, wie er sich selbst bezeichnet, heran. Er absolvierte eine technische Ausbildung zum Baumaschinist und fasste früh den Entschluss, zu fliehen. Jugoslawien gehörte zu den blockfreien Staaten. Hätte er es dorthin geschafft, wäre er bereits zu 50% freigewesen, erzählt Manfred Casper. Doch sein Plan sollte nicht aufgehen. „Und wie ich vorsichtig aus meinem Versteck lugte, traf mich mit voller Wucht wie ein schwerer Keulenschlag die Gewissheit, dass ein Trupp von sechs oder sieben […] verwegen wirkenden, uneinheitlich gekleideten Soldaten mit Kalaschnikows im Anschlag und zwei Hunden an der langen Leine den Fahrweg von Süden soeben über den Hügel kommend schon viel näher war, als ich es dem Bellen nach hätte vermuten können […]“, schreibt er in seinem Buch.

Die folgenden Geschehnisse prägten ihn für den Rest seines Lebens. Nur fünf Monate nach seinem 18. Geburtstag wurde er festgenommen und kam für eineinhalb Jahre in Haft. „Diese eineinhalb Jahre waren mein Kampf um die Freiheit“, erzählt er. „Ich bin behandelt worden, wie es damals in der Haft dort üblich war“, so Casper. Auf Prügel habe man nicht mehr gesetzt, dafür auf Psychoterror. „Ich war völlig fertig, weil ich nicht wusste, was aus mir wird.“ Doch Manfred Casper hatte Glück. Er wurde von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Im Dezember 1970 kam er in den Westen.

Der spätere Versuch, zwei ehemaligen Mithäftlingen zu helfen, ebenfalls die Freiheit zu erlangen, endete fast im Desaster und Manfred Casper entschloss sich, keine aktive Fluchthilfe mehr zu leisten. Er studierte Germanistik, Politik und  Philosophie auf Lehramt. In dieser Zeit gründete er eine Familie. Doch während er versuchte, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen, hatte das Ministerium für Staatssicherheit, die Stasi, Manfred Casper noch lange im Blick. Wie er später erfahren sollte, umfasste seine Stasi-Akte ganze 700 Seiten. Der letzte Eintrag aus Februar 1989.

Manfred Casper aber ging seinen Weg. 1992 wurde er Hautgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Region Braunschweig (AGV) und stand 24 Jahre an dessen Spitze. Einblicke in seine Vergangenheit gab er auf öffentlichen Vorträgen und in Schulen. Im Juni 2016 verabschiedete er sich aus dem Berufsleben. Seine neu gewonnene Zeit widmete er dem Verfassen seiner Lebensgeschichte – auf Anraten seiner Kinder.

Nach gut zwei Jahren Arbeit ist das Lebenswerk des Braunschweigers nun fertig und in einer Auflage von 2.000 Stück erschienen. Erhältlich ist das Buch in allen regionalen Buchhandlungen und online. Wer mehr über Manfred Casper und seine Autobiographie erfahren will, kann ihn auch bei diversen Lesungen live erleben. Am Montag, 11. November, 20:15 Uhr, findet in der Buchhandlung Graff in Braunschweig, Sack 15, eine Lesung statt. Weitere Termine werden folgen.

Kennenlernen kann man den Autor auch auf dem EVENTUS Ideen-Abend am Donnerstag, 14. November, im Gastwerk Braunschweig. Dort wird er mit einigen Exemplaren seines Buches vertreten sein und für Fragen zur Verfügung stehen.

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